Enterprise

Ein Rad, an dessen Kranz zwanzig Gondeln frei schwenkend hängen, das sich während der Fahrt aus der Waagerechten in die Senkrechte aufrichtet und seine Fahrgäste dabei über Kopf führt — ohne Bügel, ohne Gurt. Das Enterprise gehört zu den bekanntesten Bauformen des Volksfests, und der Mondlift ist das letzte reisende Exemplar in Deutschland.

Woher die Bauform kommt

Gebaut hat sie zuerst Anton Schwarzkopf: 1972 entstand das erste Gerät, die Premiere war im August 1973 auf einem Volksfest in Bad Kreuznach. In den siebziger und achtziger Jahren wurde die Bauform zu einem der beliebtesten Überkopffahrgeschäfte auf deutschen Volksfesten.

Huss aus Bremen brachte 1975 eine eigene Fassung heraus — technisch und optisch überarbeitet und mit höherer Kapazität. Nach Angabe der englischen Wikipedia lag das Patent auf die Bauform bei Huss, obwohl die ursprüngliche Konstruktion nicht von dort kam. Eine Lizenzvereinbarung zwischen den beiden Firmen ist in den öffentlich zugänglichen Quellen nicht belegt. Es war die Fassung von Huss, die sich international durchsetzte und die bis heute gebaut wird.

In der Erzählung zur Bremer Seite taucht noch ein dritter Name auf: Helmut Kastner, Polizist und Modellbauer, der Pläne für ein „Flugkarussell“ zum Patent gebracht und lange keinen Hersteller gefunden hatte — abgelehnt unter anderem von Schwarzkopf. Dass seine Pläne die Grundlage des Enterprise waren, lässt sich aus den zugänglichen Quellen allerdings nicht belegen; es handelt sich der Beschreibung nach um ein anderes Fahrgeschäftkonzept. Die Geschichte steht hier, weil sie oft erzählt wird — nicht, weil sie geklärt ist.

Wie es funktioniert

Die Fahrt hat zwei Phasen, und ihre Reihenfolge ist zwingend.

  1. Karussell. Das Rad liegt fast waagerecht, die Gondeln hängen nach unten. Der Antrieb bringt es auf Drehzahl: die deutsche Wikipedia nennt 14 bis 17 Umdrehungen in der Minute, für den Mondlift werden bis zu 14 angegeben.
  2. Looping. Ein hydraulischer Zylinder hebt den Ausleger, bis die Drehachse knapp neunzig Grad geneigt ist — Quellen nennen „nicht ganz 90°“ und 87 Grad. Aus dem Karussell wird damit eine Schleife, die Gondeln laufen über den höchsten Punkt.

Gehalten wird der Fahrgast allein von der Beschleunigung. Die Gondeln sind Käfige mit Gitter, deren Tür für die Fahrt verriegelt wird; Rückhaltesysteme wie Bügel oder Gurte gibt es nicht. Für die auftretende g-Kraft nennt die englische Wikipedia den Wert 3 — eine Angabe aus einem einzelnen Steckbrief, die nicht für jede Anlage gelten muss.

Warum die Gondeln von selbst richtig stehen

Die Gondeln hängen beweglich, aber gefedert am Radkranz, und an ihnen ist kein Antrieb. Sie stellen sich in die Richtung der resultierenden Kraft aus Schwerkraft und Fliehkraft: Im Stand und bei langsamer Drehung überwiegt die Schwerkraft, sie hängen nach unten. Mit steigender Drehzahl wandert die Summe nach außen, und die Gondel richtet sich radial auf. Im aufgerichteten Rad zeigt sie damit immer vom Mittelpunkt weg — oben also nach oben, und genau deshalb bleibt der Fahrgast im Sitz.

Das ist auch der Grund, warum die Animation auf der Startseite dieser Seite keine Sonderfälle kennt: Sie rechnet die Summe der beiden Kräfte und richtet jede Gondel danach aus. Das richtige Bild ergibt sich von selbst, in jeder Phase der Fahrt.

Der Hersteller

Huss wurde 1919 in Bremen gegründet und baute zunächst Neu- und Ersatzteile für Schiffsmotoren. Fahrgeschäfte kamen 1969 dazu. 1981 kaufte Huss den amerikanischen Achterbahnbauer Arrow Development; die gemeinsame Firma hieß Arrow Huss, der amerikanische Teil wurde 1986 als Arrow Dynamics wieder eigenständig. Am 1. August 2006 eröffnete das Amtsgericht Bremen das vorläufige Insolvenzverfahren; aus dem Unternehmen wurde die heutige Huss Park Attractions GmbH, getragen von einer Investorengruppe und dem ungarischen Werk Huss Gépgyár. Gefertigt wird heute in Budapest.

Über fünfunddreißig Bauformen gehen auf das Haus zurück, darunter Break Dance, Ranger, Top Spin, Frisbee und Shot ’n’ Drop. Das Enterprise ist weiter im Programm:

Der Hersteller selbst sprach bei der Neuauflage von mehr als fünfundsiebzig verkauften Exemplaren. hussrides.com ist die Seite der Firma.

Wie viele es gibt — und warum die Zahlen sich widersprechen

Für eine so bekannte Bauform ist die Stückzahl überraschend unklar. Die Angaben, so wie sie in den Quellen stehen:

Angabe Zahl Quelle
Huss, gebaute Geräte 74 DeWiki
Huss, Auslieferungen rund 50 Wikipedia-Spiegel
Huss, verkaufte Exemplare über 75 Hersteller, bei der Neuauflage
alle Hersteller, Installationen etwa 64 Wikipedia (englisch)
Schwarzkopf, gebaute Geräte über 20 Wikipedia

Keine dieser Zahlen ließ sich gegen eine Primärquelle prüfen, und einige messen Verschiedenes: gebaut, ausgeliefert, verkauft und installiert sind vier Angaben, nicht eine. Wer eine einzelne Zahl zitieren will, sollte dazusagen, welche davon gemeint ist.

Wo die Bauform heute steht

Als Reisegeschäft ist in Deutschland nur noch der Mondlift unterwegs. Stationär läuft die Bauform weiter, unter eigenen Namen — in den Datenbanken finden sich unter anderem das Enterprise in Slagharen (angegeben mit 21 Gondeln, 20 Metern Fahrhöhe und 800 Personen je Stunde), die Kwal in Drievliet, G-Force in Walibi Holland, das Enterprise in Alton Towers mit zwanzig Gondeln und der Orbiter in Canada’s Wonderland. In Deutschland steht eine Anlage im Freizeit-Land Geiselwind.

Quellen

Stand: 08.10.2026. Angaben ohne Gewähr; Korrekturen gern über das Kontaktformular.