Der Mondlift

Ein Rad von zweiundzwanzig Metern, zwanzig Gondeln daran, und eine Bewegung, die erst flach und harmlos aussieht: Der Mondlift ist ein reisendes Fahrgeschäft vom Typ Enterprise des Bremer Herstellers Huss — und nach allem, was öffentlich bekannt ist, das einzige transportable Exemplar dieser Bauart, das in Deutschland noch unterwegs ist.

Steckbrief

Hersteller
Huss
Typ
Enterprise
Baujahr
1976 oder 1978 (Quellen weichen ab)
Seriennummer
31 053
Höhe aufgerichtet
ca. 22 m
Raddurchmesser
ca. 22 m
Gondeln
20
Plätze
40
Kapazität
ca. 1.400 Personen je Stunde
Drehzahl
bis 14 U/min
Anschlusswert
90 kW
Betreiber
Zettl Enterprises KG, München

Der Platzbedarf wird mit 22 mal 22 Metern angegeben — das Geschäft braucht also ein Quadrat von fast einem halben Fußballfeld und einen Anschluss, der eine Reihenhauszeile versorgen würde.

Wie die Fahrt abläuft

Die Reihenfolge ist keine Dramaturgie, sondern Technik. Das Rad liegt beim Einsteigen fast waagerecht; die Gondeln hängen nach unten wie bei einem Karussell. Dann läuft es an und kommt auf Drehzahl — für den Mondlift werden bis zu vierzehn Umdrehungen in der Minute genannt. Bei zweiundzwanzig Metern Durchmesser legt eine Gondel damit gut sechzehn Meter in der Sekunde zurück, also knapp sechzig Kilometer in der Stunde.

Erst danach hebt sich der Ausleger und kippt das Rad bis nahe an die Senkrechte. Die Nabe steigt dabei von gut zweieinhalb auf etwa zehn Meter, und die Gondeln werden über Kopf geführt. Dass dabei niemand herausfällt, liegt nicht an einem Bügel — es gibt keinen —, sondern daran, dass die Fliehkraft am obersten Punkt größer ist als die Schwerkraft. Deshalb muss das Rad erst drehen und darf erst dann kippen. Beim Anhalten läuft es in umgekehrter Reihenfolge.

Was die Gondeln dabei tun, muss niemand steuern: Jede stellt sich in die Richtung der resultierenden Kraft aus Fliehkraft und Schwerkraft. Flach und langsam hängen sie nach unten, steil und schnell stehen sie radial ab — die Animation auf der Startseite rechnet genau das und braucht dafür keinen Sonderfall.

Vom Moonlift zum Mondlift

Das Geschäft hat in fast fünfzig Jahren drei Besitzerkreise gesehen, und einen Namenswechsel gleich am Anfang.

ab 1976 oder 1978
Erstbesitzer ist der niederländische Schausteller Michel Ropers. Die Anlage läuft unter dem englischen Namen Moonlift.
ab 1981
Das Geschäft geht an die Münchener Schaustellerfamilie Zehle und wird als Mondlift bekannt — zunächst bei Manfred Zehle, ab 2014 bei Petra Zehle beziehungsweise der Mondlift GmbH.
seit Oktober 2023
Eigentümerin ist die Zettl Enterprises KG aus München. Der Wechsel fiel auf das Saisonende 2023.

Das Baujahr ist nicht geklärt

Hier gehen die Quellen auseinander, und das bleibt in diesem Nachschlagewerk so stehen, statt sich auf eine Zahl festzulegen: Die Datenbank ride-index nennt 1976, andere Verzeichnisse und Berichte 1978. Dieselbe Unsicherheit zieht sich durch die erste Besitzzeit, die mal mit 1976 bis 1981 und mal mit 1978 bis 1981 angegeben wird. In Sammlerkreisen wird die Seriennummer 31 053 genannt; wirklich klären ließe sich die Frage nur über die Unterlagen des Herstellers.

Hinweis

Wer das Baujahr belegen kann — mit einem Typenschild, einem Prüfbuch, einer Herstellerunterlage —, möge sich melden. Die Angabe wird dann mit Beleg ergänzt, nicht ersetzt.

Zwei Besonderheiten

Das letzte reisende Enterprise in Deutschland

In Freizeitparks steht die Bauform weiterhin an mehreren Orten, dort aber fest montiert. Als transportables Geschäft, das von Volksfest zu Volksfest zieht, ist der Mondlift nach Angabe der deutschen Wikipedia das einzige noch betriebene Huss Enterprise in Deutschland. Das macht ihn für Kirmesfreunde zu einem der meistfotografierten Geräte überhaupt.

Er kann rückwärts

Anders als die meisten Geräte dieser Bauart kann der Mondlift die Drehrichtung umkehren. Für die Fahrgäste ändert das die Reihenfolge der Kräfte und damit den ganzen Eindruck der Fahrt.

Wo er zu sehen war

Diese Seite führt bewusst keinen Terminkalender: Wo ein Reisegeschäft in der nächsten Saison steht, entscheidet sich über die Beschickung, also über Bewerbung und Zuteilung durch den Veranstalter — verlässlich ist das immer erst kurz vorher. Belegt ist dagegen die Vergangenheit:

Auskunft über den aktuellen Standort gibt der Veranstalter des jeweiligen Volksfestes, nicht diese Seite.

Quellen

Die Angaben stammen aus öffentlich zugänglichen Verzeichnissen, Fanseiten und Wikipedia — nicht aus Unterlagen des Herstellers oder des Betreibers. Was welche Quelle trägt:

Stand: 08.10.2026. Angaben ohne Gewähr; Korrekturen gern über das Kontaktformular.